Erster Rückblick auf eine wunderbare 21. KAMUNA

Am gestrigen Samstagabend stand die Karlsruher Innenstadt wieder ganz im Zeichen der Museumskultur: Pünktlich um 18 Uhr öffneten die Museen, Bibliotheken und Archive ihre Türen zur Karlsruher Museumsnacht KAMUNA für die Besucher, die in diesem Jahr vor vielen Häusern gespannt auf die Öffnung warteten. Dazu trug nicht zuletzt das angenehme Sommerwetter bei, das die perfekten Voraussetzungen für einen gelungenen Abend bot. So fanden auch im 21. Jahr der wieder tausende Besucher den Weg in die Museen.
ABENTEUER MUSEUM lautete das diesjährige Motto der KAMUNA: Mit diesem Programm konnten sich die Besucher auf den Weg machen, sowohl Bekanntes als auch Unbekanntes in neuem Licht zu erleben. Ein besonderer Publikumsmagnet war im 100. Jahr seines Bestehens das Badische Landesmuseum: Dort lockten nicht nur die zahlreichen Führungen rund um das Museumsjubiläum, sondern ebenso der Ausblick auf die kommende große Landesausstellung und nicht zuletzt die besondere Atmosphäre des Schlossplatzes vor dem Karlsruher Schloss. Auch die beiden Dependancen des Landesmuseums, das Museum beim Markt und das Museum in der Majolika mit der Majolika-Manufaktur waren sehr gut besucht. Im Museum beim Markt standen sowohl 100 Jahre Bauhaus als auch „das Museum der Zukunft“ im Mittelpunkt, in der Majolika konnten die Besucher die Werkstätten der Keramikmanufaktur in einer Führung erleben.

Einen neuen Rekord bei der KAMUNA vermeldete das Generallandesarchiv: Dort besuchten im Lauf des Abends über 1400 Interessierte die Magazinführungen, Vorträge und die aktuelle Ausstellung zu Markgraf Bernhard von Baden.

Die Staatliche Kunsthalle lud mit zahlreichen Führungen und einem Impro-Theater im Feuerbachsaal in ihre drei Gebäude ein. Im angrenzenden Botanischen Garten fanden die KAMUNA-Besucher zwischen einzelnen Museumsbe-suchen einen idealen Ort zum Verweilen. Nur wenige Schritte entfernt erlebten die Besucher auf der großen Open-Air-Konzertbühne vor dem Badischen Kunstverein ein Konzert mit experimenteller elektronischer Musik des Performance-Künstlers Andreas Oskar Hirsch.

Das Prinz-Max-Palais mit dem Stadtmuseum, dem Literaturmuseum und der Jugendbibliothek bot ebenfalls ein vielseitiges Programm: Die aktuelle Sonderausstellung des Stadtmuseums zur Geschichte der Karlsruher Fotografie nahm die Besucher auf eine besondere Zeitreise in die Geschichte Karlsruhes. Im Literaturmuseum las Joachim Zelter eine Auswahl seiner besten literarischen Texte der vergangenen Jahre. Spontane Literatur sorgte in der Stadtbibliothek für große Begeisterung: Beim dortigen Poetry-Slam im Foyer hielt es die Besucher kaum auf den Stühlen. Aufgrund eines Wasserschadens musste die Erinnerungsstätte Ständehaus im Untergeschoss leider in diesem Jahr geschlossen bleiben, wie auch die Badische Landesbibliothek, die aufgrund ihrer umfangreichen Sanierungsarbeiten in diesem Jahr eine vorübergehende „KAMUNA-Pause“ einlegen musste.

Auch der Hallenbau A an der Lorenzstraße mit dem ZKM |Zentrum für Kunst und Medien, der Städtischen Galerie und der diesjährigen Gastinstitution, der Hochschule für Gestaltung zog viele Besucher an. Das ZKM setzte in diesem Jahr ganz besonders auf das Erleben von Kunst mit allen Sinnen: So begeisterte der Cloud Walk auf dem Vorplatz, bei dem sich Besucher innerhalb eine großen künstlich erzeugten Wolke bewegen können ebenso, wie die teils spektakulären Klangeindrücke der verschiedenen Konzerte und Performances. In der Städtischen Galerie genossen die Besucher nicht nur das traditionelle Konzert im Lichthof, sondern konnten auch Werke junger Künstler der aktuellen Sonderausstellung erleben – genauso wie in der Hochschule für Gestaltung, die auf der KAMUNA die künstlerischen Ergebnisse ihres Schnupperstudium-Workshops zeigte.

Ein weiteres Highlight für Jung und Alt war der Besuch im Staatlichen Museum für Naturkunde am Friedrichsplatz. Dort drehte sich alles um das Abenteuer Natur und die Forschung: Die zahlreichen gut besuchten Führungen zeigten unter anderem, was Tiere und Pflanzen zur besten KAMUNA-Zeit, in der Nacht, machen und natürlich durfte auch das schon legendäre Kakerlakenrennen nicht fehlen.

Zwei Abstecher aus der Innenstadt in die Stadtteile waren ebenso lohnenswert: Im Pfinzgaumuseum in der Karlsburg in Durlach erlebten Kinder ein großes Abenteuer auf dem Dachspeicher. Fast 900 Besucher machten sich auf den Weg ins Verkehrsmuseum in der Südstadt, das in diesem Jahr sein 50jähriges Bestehen feiern konnte. Dort begeisterten die Autoren Eva Klingler und Wolfgang Wegner ebenso wie die einzigartige Sammlung zur Verkehrsgeschichte.

Eine besondere Herausforderung stellten in diesem Jahr die Baustellen der Kombilösung dar, sowohl wegen der umfangreichen Baumaßnahmen auf der Kriegsstraße als auch wegen der Sperrungen zwischen Europaplatz und Mühlburger Tor sowie zwischen Kronenplatz und Rüppurrer Tor. So fanden die Verkehrsbetriebe Karlsruhe gemeinsam mit der KAMUNA eine kreative Lösung, die sich während der Veranstaltung als Glücksfall erwies: Die Fahrten zu den Museen wurden in diesem Jahr fast ausschließlich mit den KAMUNA-Bussen abgedeckt, die in zwei Ringlinien mit Umsteigepunkten am Naturkundemuseum und am Europaplatz fuhren. Der Takt wurde deutlich verdichtet, so dass die Besucher meist nur kurz auf den nächsten Bus warten mussten.

Dass die KAMUNA traditionell immer am ersten Samstag im August, also in den Sommerferien der Schulen stattfindet, sieht Gesamtkoordinatorin Eva Lichtenberger keineswegs als Nachteil: „Auch wenn viele Karlsruher in dieser Zeit verreisen, bieten wir mit der KAMUNA doch ein hochkarätiges Kulturprogramm für die Daheimgebliebenen an. Gerade für eine Stadt wie Karlsruhe, in der die Kultur eine herausragende Rolle spielt, ist dies ein wichtiger Faktor. Wer die Ferien daheim verbringt, kann in dieser Zeit besondere Attraktionen der Stadt genießen, die vielleicht im Alltag zu kurz kommen“. Nicht nur aufgrund des perfekten Wetters, sondern insbesondere dank der vielen tausend abenteuerlustigen und interessierten Besucher sind die Karlsruher Museen, Bibliotheken und Archive mit der diesjährigen KAMUNA überaus zufrieden.

Die besondere Atmosphäre in der Stadt, die sich bis spät in die Nacht in eine große Kulturmeile verwandelt, macht den besonderen Reiz der KAMUNA aus. Dass der Funke der Begeisterung wieder auf die Besucher übergesprun-gen ist, liegt nicht zuletzt am hohen Engagement und Zusammenhalt der Häuser und aller ihrer Mitarbeiter, die jedes Jahr aufs Neue die KAMUNA in Eigenregie organisieren. Man darf gespannt sein, was die Museen sich im nächsten Jahr für die 22. KAMUNA ausdenken!

Fotos: ARTIS-Uli Deck

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